Am Thema Gesundheitsmanagement kommt kein Unternehmen mehr vorbei. Christine Breitbach, geb. Schrattenecker, hat sich auf einen ganzheitlichen Ansatz im Betrieblichen Gesundheitsmanagement spezialisiert. Hier gibt die Beraterin, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern einen Einblick in ihre Tätigkeit und die schnell wachsende Welt des BGMs.

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Was verstehen wir heute unter BGM?
AWir erleben aktuell einen weiteren Wandel in der Branche: Vor 10 Jahren lag der Fokus noch auf der Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen – der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Heute ist vielmehr ein ganzheitlicher Managementansatz gefragt. Dazu kommt mit der DIN SPEC 91020 seit 2011 eine lange überfällige Norm, die Anforderungen an ein BGM festlegt – nur zum richtigen Verständnis: Sie ist wichtig, aber nicht das Allheilmittel. Damit lebt das Gesundheitsmanagement im Unternehmen noch nicht. Das Ziel muss auch weiterhin lauten: Wir wollen Wirkung erzeugen – auf allen Ebenen. Für eine gesundheitsgerechte und leistungsfördernde Ausgestaltung des BGMs müssen wir Mitarbeiter zu Beteiligten machen. Sie sind die Experten Ihres Arbeitsplatzes, ohne dass es ein Wunschkonzert gibt. Erst durch die Befähigung der Mitarbeiter zum gesundheitsfördernden Verhalten, schaffen wir eine Win-win-win-Situation für alle Akteure – Mitarbeiter, Arbeitgeber, Krankenkassen, Rentenversicherung etc..

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Worauf müssen wir uns in den nächsten Jahren einstellen?
ADie Weiterentwicklung des Gesundheitsthemas erfasst mittlerweile alle wichtigen Themen der Arbeitswelt: vom ganzheitlichen strukturierten Managementansatz, wie es die Norm fordert, bis weit in Personal- und Organisationsentwicklungsfragen hinein. Vor 10 Jahren war es noch undenkbar, dass unter dem BGM-Dach, neben den „Klassikern“ Bewegung, Ernährung und Entspannung, auch Themen wie Gesunde Führung, Diversity Management und Life-Balance etc. stehen. Der Gesetzgeber sorgt in der Branche zusätzlich mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, die seit 2013 Gültigkeit hat, für weiteren Rückenwind und versucht mit dem Tabuthema „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ aufzuräumen.

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Wie erleben sie den Alltag im Unternehmen?
ABGM ist ein systematisches Vorgehen. Oft fehlt der rote Faden und bei vielen Unternehmen existiert eine Vorliebe für Einzelmaßnahmen. Nur in Ausnahmefällen basieren diese Maßnahmen auf einer Analyse und einem klaren Ziel. Dazu kommen die gesetzlichen Anforderungen. Sie zu erfüllen ist wichtig und notwendig, die Basis jeder BGM-Arbeit. Um jedoch auch hier die angesprochene Wirkung zu erzielen, bedarf es weiterer Schritte und zwar wenn es über die Pflicht hinaus zur Kür kommt:

  1. Eine genaue Zieldefinition für das eigene BGM und ein deutliches „JA“ von Unternehmensseite: „Dafür soll unser BGM stehen“ und „wir haben ernsthaftes Interesse an der Gesundheit unserer Mitarbeiter“ – nicht nur Checkliste und abgehakt.
  2. Mitarbeiter und Führungskräfte einbinden, sie mitgestalten lassen und als Multiplikatoren gewinnen.
  3. „Tue Gutes und rede darüber“ – ist immer noch das Erfolgsrezept schlechthin. Von Beginn an die Unternehmenskommunikation im Auge behalten und das Thema öffentlichkeitswirksam begleiten.
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Was tun sie für Ihre eigene Gesundheit?
AViel frische Luft für einen klaren Kopf – Laufen, Wandern, Fahrradfahren. Ich liebe die Berge und bin daher dort sehr viel mit meinem Mann und meinen beiden Kindern unterwegs. Zeit und Aufmerksamkeit für die Menschen, die mir am Herzen liegen, sind mir sehr wichtig. Eine gute Planung und Arbeitsorganisation helfen mir dabei effektiv zu arbeiten und die Gratwanderung vom Einklang von Beruf und Familie zu meistern. Denn auch das hat mit dem eigenen Gesundheitsmanagement zu tun.